Geschichte Einführung - Wie alt ist die Schokolade
Name "Schokolade" - Die Namensgeschichte der Schokolade
Olmeken - 1500 v. Chr. - Die Olmeken
Maya 1000 v. Chr. - Die Maya
Azteken 1200 n. Chr. - Die Azteken
Der Weg nach Spanien Guanaja 1502 - Der erste Kontakt
Die Eroberung Europas Feinde der Schokolade - Kirche und Medizin
zum Massenprodukt Kakao und die Industrielle Revolution
Einzug in der Schweiz Schokolade in der Schweiz

 

 

   
  Einführung Geschichte

Die ersten Menschen, die Kakao und Schokolade kannten, waren die Olmeken (in Mittelamerika) vor über 3000 Jahren. Von ihnen übernahmen Mayas und Azteken die Schokolade. Nach der Entdeckung Amerikas durch Columbus im Jahre 1492 fand die Schokolade anfangs des 16. Jahrhunderts ihren Weg nach Spanien, um sich schliesslich über Italien und Frankreich in ganz Europa auszubreiten. Der Kakao war dabei die meiste Zeit nur ein elitäres Getränk der obersten Klassen. Er war Königen und hohem Adel vorbehalten. Erst während der industriellen Revolution im 19. Jahrhundert fand er den Weg zum billigen Massenprodukt. Heute ist Schokolade nicht mehr den Königen und dem Adel vorbehalten. Schokolade ist heute so billig und von so hoher Qualität, dass sie ihren festen Platz auf der täglichen Einkaufsliste hat.
Heute könne wir unsere Sinne täglich mit dem königlichen Genuss verwöhnen.
 
   
  Der Name Schokolade

Cacao - das erste Wort
Sprachwissenschaftler gehen davon aus, dass die Olmeken eine Urform der Mixe-Zoque-Sprachen benutzten. Die hohe Kulturstufe, die die Olmeken erreicht hatten, führte dazu, dass andere mittelamerikanische Kulturen Lehnwörter aus der Mixe-Zoque-Sprache übernahmen, darunter viele Namen von mittelamerikanischen Pflanzen. So auch das Wort 'cacao' ursprünglich kakawa gesprochen.
Die Maya übernahmen zwischen 400 v. Chr. und 100 n. Chr. das Wort 'cacao'. Sie bezeichneten damit bereits die gezüchtete Version des Kakaobaumes.

Die Spanier verändern und ersetzten die Sprache der Maya und Azteken

Als die Spanier begannen, die neue Welt zu erobern, lernten sie auch das Schokoladengetränk der Maya und Azteken kennen. Zunächst übernahmen die Spanier das Wort 'cacao' von den Maya auf Yucatán. Die aztekische Bezeichnung für das Schokoladengetränk war 'cacahuatl' zu deutsch 'Kakaowasser'. Für die folgende Entstehung des Wortes 'chocolate', wie es heute noch in der englischen Sprache verwendet wird, ist entscheidend, dass die Spanier große Schwierigkeiten mit dem Erlernen der einheimischen Sprachen hatten, so dass viele Wörter an ihre sprechweise angeglichen wurden. Die Maya nannten das Schokoladengetränk 'chocol haa', was soviel wie 'heißes Wasser' bedeutet. Man geht heute davon aus, dass die spanische Bezeichnung 'chocolate' entstanden ist, indem man das Maya-Wort 'chocol' (heiß) mit dem aztekischen Wort 'atl' (Wasser) verband. So entstand zunächst das Wort 'chocolatl'. Die Endung auf 'tl' ist typisch für die Sprache der Azteken, bereitete den Spaniern aber große Schwierigkeiten. Sie konnten oder wollten das 'tl' nicht richtig aussprechen. Sie sprachen immer 'te', wenn bei den Azteken ein 'tl' vorkam. So wurde aus 'chocolatl' schließlich 'chocolate' wie wir es heute kennen.

Kakao und Schokolade (chocolate) heute

Heute nennen wir die Pflanze und ihre Früchte vor der Verarbeitung im allgemeinen 'cacao', im Deutschen Kakao, nach der Verarbeitung im Deutschen Schokolade, im Holländischen 'Chocolade', im Französischen 'Chocolat', im Italienischen 'Cioccolata', im Englischen, Spanischen und Portugiesischen 'Chocolate'.

1753 Die wissenschaftliche Bezeichnung des Kakaobaumes durch Carl von Linné

Nachdem die 'chocolate' Europa erreicht hatte, erhielt der Kakaobaum im Jahre 1753 von Carl von Linné seine bis heute gültige wissenschaftliche Bezeichnung: 'Theobroma cacao'. Ursprünglich lautete die Bezeichnung für den Kakaobaum 'Arbora cacavifera americana'. Als der schwedische Naturforscher Linné die Benennung der Pflanzen und Tiere mit oft lateinischen Doppelnamen einführte, hielt der als Kakaoliebhaber bekannte Wissenschaftler offensichtlich seine Bezeichnung für passender: Das Wort Theobroma ist aus zwei griechischen Wörtern zusammengesetzt: 'theos' (Gott) und 'broma' (Speise) also in etwa: 'Speise der Götter'. Das in Mittelamerika übliche Wort cacao rückte er als Artbezeichnung an die zweite Stelle.

 
   
  Die Olmeken

Die Kultur der Olmeken (ein Indianerstamm in Mittelamerika) entstand im feuchten Tiefland der mexikanischen Golfküste. Den Höhepunkt erreichte die Kultur der Olmeken etwa um 1000 v. Chr.. Die Olmeken verloren um ca. 400 v. Chr. an Bedeutung.
Wie Sprachwissenschaftler herausfanden, stammt das Wort 'cacao' aus der Sprache der Olmeken und wurde später von anderen Völkern entlehnt. Leider sind uns nur sehr wenig Zeugnisse der Olmeken überliefert und so kann nicht mit letzter Sicherheit gesagt werden, dass sie die ersten waren, die Kakaobäume züchteten und deren Früchte genossen. Zu den wenigen Überbleibseln aus der Zeit der Olmeken gehören die riesigen Steinmonumente die Götter und Könige darstellen. Die Steinblöcke waren über große Entfernungen herbeigeholt worden, bevor sie an Ort und Stelle behauen wurden.
 
   
  Die Maya

1000 v. Chr. - Die Maya
Um 1000 v. Chr. wandern die Maya in das Tiefland des Petén im Norden Guatemalas ein und entwickeln ihre berühmte klassische Kultur. Ihre Blüte erreichte die Kultur der Maya zwischen 250 bis 900 n. Chr.. Das Ende der Mayakultur wird erst um 1500 n. Chr. durch die Spanier besiegelt.
Im Gegensatz zu den Olmeken ist die Überlieferung über die Maya so umfangreich, dass sie hier nur skizziert werden kann. Von den Maya existieren neben Wandzeichnungen, erhaltenen Schriften auch noch Gefäße, die zur Einnahme von Kakao benutzt wurden. Oft wurden solche Gefäße den Verstorbenen als Grabbeilage mitgegeben. Die von den Maya konsumierte Schokolade unterscheidet sich sehr von der heute üblichen Form. Zunächst wurde Schokolade getrunken und nicht in fester Form konsumiert (zumindest ist hiervon nichts überliefert). Des weiteren gab es die unterschiedlichsten Zubereitungsformen mit den - aus unserer Sicht - eigenartigsten Gewürzmischungen (z.B. mit Chilipfeffer). Es bleibt darauf hinzuweisen, dass Kakao in der Regel nicht gesüßt wurde wie heute meist üblich und so einen eher bitteren herben Geschmack hatte.
Kakao war bei den Maya wie generell in seiner langen Geschichte kein Massenprodukt, sondern ein Getränk, das dem Adel vorbehalten war. Um die große Bedeutung des Kakao und seine hohe Stellung deutlich zu machen, muss man sich nur vor Augen halten, das Kakaobohnen bei den Maya und auch bei den Azteken als Zahlungsmittel verwendet wurden.
 
   
 

Die Azteken 1200 n. Chr.

Um 1200 n. Chr. bilden sich die ersten politischen Kleingebilde der Azteken im heutigen Mexiko. Zu Beginn des 14. Jahrhunderts erreichten sie das Tal von Mexiko. Im Jahre 1325 gründeten sie ihre Hauptstadt Tenochtitlán und beherrschten bald große Teile Mittelamerikas. Das Reich der Azteken bestand bis zur Unterwerfung durch die Spanier von 1519 bis 1521.
Die Schokolade hatte bei den Azteken einen sehr hohen Stellenwert. Sie diente dem hohen Adel und anderen privilegierten Gruppen nicht nur als Genussmittel, sondern wurde auch als Zahlungsmittel verwendet. Wieviel genau eine Kakaobohne zur Zeit des Aztekenreiches wert war, wissen wir heute nicht mehr, aber die Währung der Kakaobohnen bestand auch unter spanischer Herrschaft fort. Aus dem Jahre 1545 ist uns eine Preisliste verschiedener Waren überliefert, daraus ein kurzer Auszug:

- Ein Truthahn hat einen Wert von 200 Kakaobohnen.
- Ein Hase oder Waldkaninchen ist je 100 Kakaobohnen wert.
- Eine große Tomate entspricht dem Wert einer Kakaobohne.
- In Maishülsen gewickelter Fisch ist 3 Kakaobohnen wert.

Wie bei jeder Währung wurden auch Kakaobohnen 'gefälscht'. Man ließ sie zum Beispiel in Wasser aufquellen oder gab den Bohnen künstlich eine aschgraue oder fahlrote Farbe (die Farbe der edelsten Sorten). Das Fälschertalent der Azteken war so ausgeprägt, dass sie nach der Eroberung durch die Spanier begannen, deren Gold- und Silberwährung zu fälschen.

 
   
  Der Weg nach Spanien

Guanaja 1502 - Der erste Kontakt
Die erste Begegnung zwischen dem Kakao und den spanischen Entdeckern fand durch den Mann statt, der die neue Welt entdeckt hatte, durch Christoph Kolumbus. Auf seiner 4. Reise, die am 9. Mai 1502 begann und ihn am 15. August 1502 nach Guanaja führte, traf er als erster Europäer auf Kakao. An diesem Tag traf der Admiral Kolumbus auf ein vollbeladenes Handelskanu der Maya. Kolumbus ließ das Kanu entern und Besatzung und Ladung auf seine Karavelle bringen. Dabei beobachteten die Spanier, dass sich, wo immer eine Kakaobohne herunterfiel, sofort mehrere Eingeborene bückten, um sie aufzuheben. Warum die Eingeborenen diesen Bohnen so viel Bedeutung zumaßen, blieb Kolumbus aber mangels eines Dolmetschers verborgen. Kolumbus selbst hat nie Schokolade probiert.

Eroberung Yucatáns (1517) und Mexikos (1519-1521)

Nachdem das durch Maya bevölkerte Yucatán um das Jahr 1517 besetzt wurde, begann Hernán Cortés im Jahre 1519 mit der Eroberung des Aztekenreiches im heutigen Mexiko. Der Feldzug gegen die Azteken endete im Jahre 1521 mit dem Sieg der Spanier. Bald schon erkannten die Spanier, welche große Bedeutung der Kakao für die Maya und Azteken hatte. Besonders die Eigenschaft, das Kakaobohnen als Zahlungsmittel galten, wurde von den Spaniern begeistert aufgenommen und diese Funktion behielten die Bohnen auch noch lange während der spanischen Kolonialzeit.
Das Getränk Kakao aber wirkte auf die Spanier zunächst abstoßend. Das gleiche galt für andere typische Produkte aus Mittelamerika, wie z. B. Mais. Dieser Zustand änderte sich mit der fortwährenden Besiedelung durch die Spanier. Es kam immer mehr zu Ehen zwischen armen Spaniern und einheimischen Frauen. Viele Frauen dienten den reichen Spaniern als Konkubinen. Durch die allmähliche Verbindung zwischen Spaniern und Maya, sowie Azteken kam es zu einer Annäherung der verschiedenen Kulturen.
Den gleichen Prozess durchlief auch das Schokoladengetränk selbst. Die Spanier tranken die Schokolade heiß wie die Maya und nicht kalt oder lauwarm wie die Azteken. Zweitens begannen die Spanier damit, die Schokolade mit Rohrzucker zu süßen und drittens ersetzte man die einheimischen Gewürze mehr und mehr durch mitgebrachte wie z .B. Schwarzen Pfeffer und Zimt. Ebenso fand eine sprachliche Anpassung des Wortes 'cacao' statt. (siehe dazu auch die Namensgeschichte)

1544 Von der neuen Welt nach Spanien

Nachdem sich die Schokolade bei den in Mittelamerika eingewanderten Spaniern immer größerer Beliebtheit erfreute, gelangte sie auch an den spanischen Königshof. Wann und von wem die Schokolade erstmals nach Spanien gebracht wurde, ist nicht ganz klar und es gibt etliche Spekulationen.
Hier deshalb die erste durch Dokumente belegte 'Reise' der Schokolade nach Europa. Nachdem Dominikaner Mönche die Kekchi-Maya, die in Guatemala lebten, friedlich (ein damals eher ungewöhnlicher Ansatz) für sich gewonnen hatten, reisten im Jahre 1544 einige Mönche, sowie adlige Maya an den spanischen Königshof von Prinz Philipp. Bis heute existiert eine Liste der Geschenke, die aus diesem Anlass Prinz Philipp übergeben wurden. Unter anderem waren dies Quetzalfedern, Tongefäße, Bohnen, Mais, verschiedene Chilisorten und Weihrauch. Schließlich brachte man dem König Gefäße mit geschlagener Schokolade. Dies war, soweit heute bekannt, die Premiere der Schokolade in Europa.

Die erste Schiffsladung Kakao, von der wir wissen, verließ im Jahre 1585 Veracruz in Richtung Sevilla.

17. Jahrhundert in Spanien

In der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts begann sich die Schokolade als beliebtes Getränk am spanischen Königshof und beim spanischen Adel durchzusetzen und wurde schließlich zu einer Art spanischem Nationalgetränk. Noch heute gehört die Trinkschokolade zum traditionellen spanischen Frühstück. Von Spanien aus eroberte der Kakao schließlich ganz Europa.

 
   
  Die Eroberung Europas

Als die Schokolade Spanien und damit Europa erreichte, herrschte die Zeit der Glaubenskriege. Die Landkarte Europas änderte sich fast so schnell wie die Bündnisse der einzelnen Akteure. Den Weg der Schokolade quer durch Europa aufzuzeichnen, bleibt deshalb weitestgehend unmöglich. Sicher scheint, dass sich die Schokolade nach Spanien zunächst in Italien und dann in Frankreich durchsetzte, später in England und dem übrigen Kontinent.
Entscheidend für die Ausbreitung der Schokolade war der Kontakt der europäischen Königs- und Adelshäuser untereinander. So wurde die Schokolade zum Beispiel durch die Heirat des französischen Königs mit der Tochter des spanischen Königs an den Hof von Frankreich gebracht. Den schließlich europaweiten Erfolg verdankt die Schokolade wohl ihrem Geschmack. Auf dem Weg zum Ruhm gab es aber auch einige Hindernisse zu überwinden:

Feinde der Schokolade - Kirche und Medizin

Kirche - In allen katholischen Ländern Europas wie Spanien, Frankreich und Teilen Italiens gab es eine kirchliche Hürde zu überwinden: Das Fasten. Die Frage, die man sich stellt, lautete, ist Schokolade ein Getränk oder eine Speise? Wäre sie beides gewesen, so hätten Katholiken sie weder zwischen Mitternacht und dem Heiligem Abendmahl, noch während der vierzig Tage dauernden Fastenzeit, sowie weiteren Fastentagen zu sich nehmen dürfen. Eine unendliche Zahl von Personen und Gruppen äußerte sich hierzu, wobei die wenigen Argumente stets die gleichen blieben. Die Gruppe, die Schokolade während der Fastenzeit erlauben wollte, argumentierte hierzu stets, das Schokolade ein Getränk ist. Zu dieser Gruppe gehörten unter anderem die Jesuiten (die einen schwunghaften Handel mit Schokolade betrieben!). Ihre Widersacher waren vor allem die puritanischen Dominikaner (die zu dieser Zeit generell gegen die Jesuiten waren!). Diese gegen Schokolade in der Fastenzeit eingestellte Gruppe argumentierte, das Schokolade zu nahrhaft sei, um nicht als Speise zu gelten. Entschieden wurde dieser Streit wiederholt durch verschiedene Päpste und zwar stets zugunsten der Schokolade.

Medizin - Im Europa des Mittelalters herrschte eine wertlose und oft sogar schädliche Zusammenstellung medizinischer Theorien auf der Grundlage der aus der griechischen Antike überlieferten Humoralpathologie. Die Theorie der Humoralpathologie besagt, dass die Krankheiten durch eine fehlerhafte Mischung der Körpersäfte (Blut, Schleim, gelbe und schwarze Galle) entstehen. Diesen vier Körpersäften werden die Elemente Feuer, Wasser, Luft und Erde, sowie die Temperamente (Gemütszustände) gleichgesetzt. Diese Theorie wurde von Galen (geboren ca. 130 v. Chr.) erweitert. Er behauptete, dass die Körpersäfte jeweils heiß oder kalt und feucht oder trocken sind (Blut ist zum Beispiel heiß und feucht). Galens Hauptlösung zur Behandlung von Krankheiten bestand darin, mit Gegensätzen zu heilen, so behandelte er 'heißes' Fieber mit einem 'kalten' Heilmittel. Da Galen der Ernährung eine große Rolle beimaß, wurden alle Nahrungsmittel diesem System eingeordnet.
Damit die Schokolade in Europa Fuß fassen konnte, musste auch sie in dieses fehlerhafte System eingeordnet werden. Der spanische Hofarzt Francisco Hernández kam um 1570 nach Mittelamerika, um im Auftrag Philipp II. die einheimischen Pflanzen zu untersuchen. Den Kakao klassifizierte er als "dem Wesen nach gemäßigt" mit einer Tendenz zum "Kalten und Feuchten". Somit war Schokolade ideal bei heißem Wetter und zur Behandlung von Fieber.
Genauso entscheidend für den Erfolg der Schokolade waren die 'gesundheitsfördernden' Gewürze. Die Gewürze, so urteilte Hernández, seien überwiegend 'heiß' und eigneten sich zum Beispiel gegen Magenschmerzen und Koliken.
Auch wenn die Meinungen über die Schokolade immer wieder auseinandergingen, Schokolade wurde als gesund und nahrhaft anerkannt und setzte sich, wohl hauptsächlich aufgrund des angenehmen Geschmacks, als das beliebteste Getränk der europäischen Elite durch.

 
   
  Schokolade als Massenprodukt

Kakao und die Industrielle Revolution
Hier möchte ich kurz die Erfindungen aufzeigen, die der Schokolade den Weg zu den Massen eröffnete.

Mitte des 18. Jahrhunderts Joseph S. Fry & Sons

Joseph Fry gründete in der Mitte des 18. Jahrhunderts eine Schokoladefabrik in Bristol (England). Sein Sohn Joseph Storrs Fry war der erste, der im Jahre 1789 eine Watt'sche Dampfmaschine anschaffte, um damit Kakaobohnen zu mahlen.

1828 Die Erfindungen von van Houten

Der Holländer Coenraad Johannes van Houten entwickelt eine Methode zur Herstellung von Kakaopulver mit sehr geringem Fettanteil durch Einsatz einer hydraulischen Presse. Die zweite Entwicklung van Houtens war die Behandlung des Pulvers mit Alkalisalzen. Durch diese Behandlung lässt sich das Pulver besser mit Wasser vermischen. Außerdem macht es die Schokolade dunkler und erzeugt einen milderen Geschmack.

1847 J.S. Fry & Sons geben Kakaobutter zur Schokolade

Die Firma J.S. Fry & Sons entdeckt eine Methode, geschmolzene Kakaobutter (bis dahin nur ein Abfallprodukt) anstelle von Wasser mit dem Kakaopulver und Zucker zu vermischen. Das Ergebnis war ein dünnerer, weniger zähflüssiger Teig, der in Formen gegossen werden konnte und nicht so brüchig und trocken war wie die Tafeln des 18. Jahrhunderts. Diese erste Essschokolade der Welt wurde 1849 in Birmingham auf den Markt gebracht und war sofort ein riesiger Erfolg.

Ab 1850 Entstehung von Lebensmittelgesetzen

Die Notwendigkeit solcher Gesetze auch für Schokolade wurde in England durch die medizinische Fachzeitschrift 'The Lancet' bewiesen. Bei Proben fand man, dass nicht weniger als 39 von 70 Schokoladenproben teils giftige Zusätze enthielten. Dem Kakao wurden z. B. getrocknete und zermahlene Erbsen, Reis- oder Linsenmehl und besonders häufig Kartoffelstärke zugegeben. Weit schlimmer war die Zugabe von Eisen (in Form von Spänen), Gummi oder sogar Ziegelmehl. Ähnliche Analysen gab es auch in Frankreich mit gleich schlechten Ergebnissen, so dass im Jahre 1860 das britische Lebensmittelgesetz und 1872 das Lebensmittelverfälschungsgesetz in Kraft traten.


1826 Philippe Suchard setzt den ersten Mélangeur ein

Der Schweizer Suchard setzt den ersten Mélangeur - also den ersten Mixer ein. Dieser dient zur Vermischung von Zucker und Kakaopulver.

1879 Daniel Peter produziert die erste Milchschokolade

Der Schweizer Peter nutzt die im Jahre 1867 von Henri Nestlé entwickelte Methode zur Herstellung von Milchpulver, um die erste Milchschokolade der Welt herzustellen.

1879 Rodolphe Lindt entwickelt die Conche

Im Jahre 1879 erfand Rodolphe Lindt die Conche. Durch die Bearbeitung der Schokoladenmasse in der Conche wird die Schokolade erstaunlich zart (sogenannte Fondant-Schokolade). Bis heute ein wichtiger Schritt bei der Produktion.

Bei der Herstellung von feiner Schokolade mit hohem Anteil an Kakaobutter kann es vorkommen, dass sich die Kakaobutter manchmal herauskristallisiert und die Oberfläche fleckig und körnig wird. Dieses Problem wurde durch das Temperieren gelöst.

 
   
  Einzug in der Schweiz

Schweizer Schokolden-Pioniere

François-Louis Cailler (1796-1852) sah Schokolade zum ersten Mal auf dem Jahrmarkt. Er ging als Fremdarbeiter nach Turin und kehrte als Meister der Schokolade zurück. 1819 eröffnete er bei Vevey die erste schweizerische Schokoladenfabrik.

Phillippe Suchard (1797-1884) musste, als er zwölf Jahre alt war, für seine kränkliche Mutter Schokolade in der Apotheke kaufen. 500 Gramm von dem "Kräftigungsmittel" kosteten damals drei Tageslöhne. Sechs Jahre später machte er eine Konditorlehre. Mit dreissig Jahren eröffnete Suchard in Serrèrres eine winzige Schokoladenfabrik. Mit einem Arbeiter stellte er täglich 25 Kilo Schokolade her. 1880 errichtete er die erste schweizerische Schokoladenfabrik im Ausland (Lörrach).

Jacques Foulques (1798 - 1865) begann 1826 in Genf Schokolade von Hand herzustellen. Sein Schwiegersohn, Jean-Samuel Favager führte später das Unternehmen erfolgreich weiter.

Aquilino Maestrani (1814 - 1880), dessen Vater nach Italien ging, wo er den Schokoladenhandel erlernte und viele Erfahrungen sammelte. Seine in Luzern eröffnete Schokoladenfabrik wurde bald zu klein, was ihn dazu bewog, nach St. Gallen zu ziehen.

Jaques Klaus (1814 - 1909), als Zürcher gründete er in Le Locle eine Schokoladenfabrik.

Daniel Peter (1836 - 1919), als Sohn eines Metzgers arbeitete er in einem Geschäft in Vevey. Er hatte ein Auge auf Fanny Cailler, die älteste Tochter von François-Louis Cailler geworfen. So kam er zu der Schokolade. Er stellte als erster Milchschokolade her, indem er der Schokolade Kondensmilch beigab.

Henri Nestle (1814 - 1890) startete mit Milch. Er erfand und perfektionierte die Herstellung von Kondensmilch. Ohne diese Kondensmilch hätte Daniel Peter die Milchschokolade nicht industriell herstellen können. Die beiden Firmen Nestle und Peter arbeiteten eng zusammen.

Johann Georg Munz (1874) hatte ein Geschäft in Flawil, wo später Albert Munz mit der Herstellung von Schokolade begann.

Rodolphe Lindt (1855 - 1909) war Fabrikant aus Passion und verfeinerte das Herstellungsverfahren. Der Berner erfand eine spezielle Reibetechnik, das "Conchieren", und gab der Schokolade zusätzlich Kakaobutter bei, was sie geschmeidiger machte.

Rudolf Sprüngli-Ammann (1816 - 1897) gründete die erste Schokoladenfabrik in der Deutschschweiz. Sein Sohn kaufte 1899 die Fabrik von Lindt mitsamt deren Geheimrezepten für die ungeheure Summe von 1.5 Millionen Goldfranken.

Jean Tobler (1830 - 1905), ein Appenzeller eröffnete in Bern ein Geschäft. Er verkaufte Spezialitäten, die er aus Schokolade verschiedener Fabrikanten herstellte. Sein Geschäft lief so gut, dass er sich überlegte, die Schokolade selber herzustellen. Im Jahre 1899 gründete er mit seinen Söhnen die Tobler Schokoladenfabrik und wurde Fabrikant.

 
   
  Quelle und weitere Informationen zur Geschichte unter: http://www.theobroma-cacao.de